Aufbau eines Amazon Dropshipping-Netzwerks mit sechs Lieferanten

Autor: Philip Ehlers I Lesedauer: 5 Minuten

Dropshipping, auch Streckengeschäft genannt, erfreut sich steigender Beliebtheit. Reduziert es doch die Komplexität für den Händler und erweitert die Wertschöpfung des Lieferanten. In 2016 und 2017 habe ich für ein Online-Unternehmen, das über Amazon verkauft, ein Dropshipping-Netzwerk mit sechs Produzenten aufgebaut.

Die Herausforderungen lagen insbesondere in der Verknüpfung der unterschiedlichen IT-Systeme mit dem Vermarktungskanal Amazon, der Implementierung der Prozesse der Auftragsabwicklung sowie dem Aufbau eines Systems zur Steuerung der Dropshipping-Aktivitäten.

Lesen Sie in diesem Praxisbericht, wie und mit welchem Warenwirtschaftssystem wir die Unternehmen IT-seitig verknüpften, warum eine maximale Automatisierung der operativen Prozesse so wichtig ist und welches die erfolgsrelevanten Kennzahlen zur Steuerung sind.

Dropshipping – Definition

Dropshipping ist eine besondere Handelsform, bei der ein Verkäufer Waren an seine Kunden verkauft, ohne mit den Waren in Berührung zu kommen. Die Lieferung der Waren erfolgt direkt durch den Lieferanten. Vorteil des Dropshippings für den Händler ist die Reduzierung der Komplexität, da er keine eigenen Logistikstrukturen aufbauen muss. Die weit verbreitete Meinung der Kosteneinsparung teile ich nicht, da diese Kosten als Fulfillment-Kosten für Lagerung, Picken und Verpacken durch den Lieferanten in Rechnung gestellt werden. Der Lieferanten weitet also seine Wertschöpfungskette aus und erzielt neue Umsätze.

Amazon Dropshipping – Bedeutung und Erfolgsfaktoren

Für Amazon bedeutet Dropshipping die Fulfillment-Methode FBM – Fulfillment by Merchant. D.h. der Händler oder ein von ihm beauftragter Dienstleister oder Lieferant übernimmt die Lagerung, das Picken, Verpacken und Versenden der bestellten Artikel. Hierbei gibt es einen wichtigen Punkt zu beachten: die Versandleistung des Händlers wird durch Amazon über zwei Kennzahlen gemessen und bewertet:

  • Rate verspätete Lieferung mit dem Ziel < 4%, d.h. die festgelegten und über Amazon kommunizierten Lieferzeiten müssen eingehalten werden bzw. dürfen nicht > 4% abweichen.
  • Stornorate vor Erfüllung mit dem Ziel < 2,5%, d.h. die an Amazon kommunizierten Bestände müssen auch faktisch vorhanden sein bzw. darf die Stornoquote nicht > 2,5% sein.

Werden diese von Amazon festgelegten Zielwerte (mehrfach) nicht eingehalten, besteht das Risiko der Account-Sperrung. Bevor dieser jedoch tatsächlich gesperrt wird, erhalten Sie die Möglichkeit, einen Maßnahmenplan einzureichen. In diesem beschreiben Sie, wie Sie es zukünftig vermeiden werden, dass es wieder zu einer Überschreitung der gesetzten Zielwerte kommt.

Amazon Dropshipping - Prozess- und Qualitätsmanagement

Um erfolgreich Dropshipping zu betreiben, gilt es die relevanten Prozesse zu identifizieren, aufzusetzen und zu überwachen. Diese beziehen sich auf die folgenden Bereiche:

  • Bestellmangement: Übergabe und Verarbeitung von Bestellungen
  • Retourenmanagement: Eingang und Verarbeitung von Retouren
  • Liefermanagement: Übergabe und Verarbeitung der Sendungsnummern
  • Qualitätsmanagement: Anforderungen an die Verpackung und Lieferzeiten

Um die Vermarktung über Amazon erfolgreich zu gestalten und z.B. nicht OOS (out-of-stock) zu gehen, bedarf es der Überwachung dieser Prozesse in Form von:

  • Überwachen der Bestände
  • Überwachen der Übergabe der Sendungsnummern und Lieferzeiten
  • Überwachen der Qualitätsanforderungen

Um den operativen Aufwand zu minimieren, gilt es den gesamten Dropshipping-Prozess maximal zu automatisieren. Hierdurch werden vor allem personelle Ressourcen, damit bares Geld, eingespart.

Amazon Dropshipping - Ausgangssituation und Aufgabenstellung

Der Onlinehändler möchte Waren von sechs Lieferanten über Amazon und weitere Marktplätze verkaufen. Die Warenwirtschaftssysteme und Prozesse der Lieferanten sind unterschiedlich, was die Entwicklung eines einheitlichen Prozesses der Auftragsabwicklung (Bestelleingang bis Abrechnung) erschwert. Ziele muss es sein, den operativen Aufwand zu minimieren. Dies ist besonders wichtig, da der durchschnittliche Warenkorb des Onlinehändlers ca. 20€ beträgt und damit jeder nicht automatisierte Personalaufwand je Bestellung zu unnötigen Kosten und damit zur Reduzierung der Marge führt.

Folgende Herausforderungen waren zu lösen:

  • Uneinheitliche IT-Systeme, nicht kompatibel mit Amazon
  • Prozesse der Lieferanten z.T. nicht ausgelegt auf Einzelbestellungen
  • Einhalten einer verkaufsfördernden Lieferzeit, je kürzer desto besser
  • Aktuelle Lagerbestände je Artikel
  • Sicherstellen der Qualitätsanforderungen

Die größte Herausforderung besteht in der Definition eines für alle Lieferanten gültigen und anwendbaren Prozess der Auftragsabwicklung.

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Amazon Dropshipping – Aufbau des Netzwerks mit sechs Lieferanten

Ausgangspunkt meiner Beratung sind die Anforderungen des Onlinehändlers bzgl. seiner Strategie – in diesem Fall die Vermarktung über Amazon plus fünf weitere Marktplätze und einen Onlineshop bei gleichzeitig maximaler Automatisierung der operativen Prozesse. Der Onlinehändler benötigt also ein onlinefähiges Warenwirtschaftssystem, das über entsprechende Schnittstellen zu den Vermarktungskanälen verfügt und in dem der Prozess der Auftragsabwicklung automatisiert ist (vom Bestelleingang bis zur Übergabe der Geschäftsvorfälle an die Buchhaltung). Wir entschieden uns für die Implementierung der JTL-Warenwirtschaft als Herzstück der Auftragsabwicklung. Die JTL-Warenwirtschaft ist in der Grundkonfigurierung kostenfrei. Schnittstellen zu Marktplätzen bzw. zu Datev sind kostenpflichtig. So zahlt der Onlinehändler nur das, was er wirklich benötigt. Zudem verfügt JTL über eine große Community und einen gut ausgebauten Hilfe-Bereich.

Aufgrund der nicht vorhandenen Schnittstellen zwischen der JTL-Wawi und den Warenwirtschaftssystemen der Dropshipping-Lieferanten, entschieden wir uns für eine teilautomatisierte Übergabe der Bestelldaten via CSV-Datenexport über FTP-Server von JTL-Wawi zu den Lieferanten und zurück.

Dabei werden folgende Daten benötigt:

  • Artikel-Nummer
  • Menge je Artikel-Nummer
  • Umsatz brutto aufgeteilt in Warenwert und Versand
  • Amazon Order-ID
  • Empfängerinformationen (Name und Anschrift)
  • Bestände je Artikel-Nummer:

Insbesondere die Übergabe der Amazon Order-ID zu jeder Bestellung ist wichtig für den Zahlungsabgleich der Buchhaltung. Diese erfolgt nämlich über die Order-ID als Referenzwert.

Zusammenfassung Amazon Dropshipping

Dropshipping reduziert Komplexität des Händlers, da die Ware direkt vom Lieferanten versendet wird. Für den Lieferanten bedeutet sie die Erweiterung der Wertschöpfungskette.

Wesentliche Herausforderung ist die Automatisierung der Auftragsabwicklung zwischen Verkäufer und Lieferanten, auch wenn die IT-Systemen nicht über vollautomatisierte Schnittstellen miteinander kommunizieren können. Ein möglicher Weg einer Teilautomatisierung ist über CSV-Datenimporte/-exporte via FTP-Server.

Erfolgskritisch bei der Vermarktung über Amazon und dem Fulfillment durch den Dropshipper ist die Einhaltung der zugesicherten bzw. eingeforderten Versandleistungen. Diese sollten nicht überschritten werden, da sonst die Sperrung des Amazon-Accounts droht.

Sind Sie Dropshipper oder Händer und benötigen Unterstützung? Melden Sie sich gerne bei mir für ein erstes Gespräch.

Über Philip Ehlers

Seit 2014 arbeite ich im eCommerce und habe in dieser Zeit eigene Firmen aufgebaut, als Interimsmanager gearbeitetet und Firmen auf dem Weg in die Online-Welt begleitet. Meine Spezialisierung ist die Vermarktung über Marktplätze, insbesondere Amazon.

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